kurze Momentaufnahme

Feinen Menschen muss man geben
was sie wünschen ,
es ist eben eine Pflicht – nichts ist wichtiger als dies,
mein Prinz,
gib unserem Leben Sinn
mein Prinz,
wir geben uns dir hin.
(Tocotronic)

Trotz extrem gutem seelischen Zustand der letzten Zeit fehlt jede Motivation zum schreiben, was wohl ein ziemlich hoher Preis für Glück in Dosenform ist... sitze hier umrahmt von zwei Flaschen Wasser, eine voll, die andere leer und würde gerne ein Wortspiel zusammenstellen, in dem die Sache mit dem „Das Glas ist nicht halb leer, sondern halb voll“ vorkommt, meine Gedanken kriechen aber wie in Watte, also nur sehr langsam vorwärts, so dass ein kreativer Schub in diese Richtung ausbleibt.
Habe ein ekelhaftes Déjà-vu, in dem es mir so vorkommt, als würde die Zeit stehenbleiben und man sammelt Gedanken, um Dinge zu tun, die nicht nur sehr angenehm, sondern auch notwendig sind, um dann irgendwann festzustellen, dass die Zeit eben doch nicht stehengeblieben ist und man den entscheidenden Punkt verpasst hat. (Leicht an dem Satz „Ich geh‘ dann mal.“ zu erkennen) Genau das hat also meine tolle leeres Glas/volles Glas – Idee gesagt und ist gegangen, ohne dass ich mich eingehender mit ihr beschäftigen konnte.
Reiße mich aus Déjà-vu los, indem ich die leere Flasche aus meinem Blickfeld verschwinden lasse und etwas aus der vollen trinke: Sie ist nun zu ca. 1/10 leer.
Laufe noch immer, wie man merkt, meinen Gläsern hinterher, wenn auch mittlerweile etwas verloren. Es ist ungewöhnlich viel Zeit vergangen und ehe ich eine weitere halbe Stunde (soviel ist von der Überschrift bis zur jetzigen Zeile verstrichen – und das ist wirklich schrecklich, schrecklich jämmerlich.) mit dem Beschreiben vergangener und jetziger Zustände und deren Zusammenhang verbringe, beende ich das Drama mit dem Wunsch nach etwas beruhigendes, das meine wattigen Gedanken von Watte befreit, aber ich wüsste nichts, was das auf Anhieb schaffen könnte. Dann wieder zurück zur Momentaufnahme: „Ich geh‘ dann mal.“ zerreißt die Watte und hinterlässt einen kleinen, kränklichen Schmerz im Hinterkopf. Denke an das Schlafen und daran, dass ich es wohl zu selten tue, als dass ich etwas davon verstehen könnte. Muss mich hinlegen, um zu schlafen, das habe ich gelernt. Darf nicht daran denken, einzuschlafen, auch das habe ich gelernt. Ich die Anspannung muss verschwinden, sonst artet es aus: In stundenlanges Luftanhalten, wie man meinen möge, aber auch hier steht die Zeit: und man hat wieder den Zeitpunkt verpasst, zwischen Wachsein und schlafen, zwischen Ekstase und Ohnmacht, zwischen kindlichen Orgasmen und Tod. Dieser Zeitpunkt, vielleicht eine Stunde, vielleicht nur wenige Sekunden, hätte mich in Schlaf treiben können, hätte ich nur in ihm rechtzeitig und intensiv ein klein wenig Schmerz gespürt, das Fenster geöffnet und das Blut weggewischt, aber wie schon seit Monaten geht es nicht mehr – vielleicht bin ich krank? – und so werde ich mit pulsierendem Zweifel (und schon wieder das altbekannte „Ich geh‘ dann mal.“) die Augen schließen und in Alpträumen, bestehend aus dem Wissen, dass ich nichts, nichts, nichts hinterlassen werde, in eine leise, krankhafte Ahnung von Schlaf verharren, bis entweder meine angespannten Nerven oder kaltes Licht mich wecken möge.

Soviel dazu, und ich bin überrascht, wie gut es geklappt hat. Habe wieder großes, schwarzes, künstlerisches Nichts in mir, Nervenenden in Kopf und Fingern sind quälend angespannt und genau das scheint zu sein, was mich endlich aus der monatelangen Unpünktlichkeit retten wird. Denke, heute Nacht werde ich den perfekten Zeitpunkt wiederfinden und auch das nächste reale „Ich geh‘ dann mal.“ vermeiden können.
30.4.06 19:06
 


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